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Inhalt    
September 2000 - Das Kunstkonzept der Landesgartenschau Großenhain
 
 

Eine flächengreifende Ausstellung wie die Landesgartenschau setzt stets die intensi-ve Auseinandersetzung mit dem Ort voraus, an dem sie stattfinden soll. Neben einer städtebaulichen und umweltökologischen Bestandsaufnahme findet eine verstärkte Erforschung der Natur- und Kulturgeschichte des Ortes statt. Man besinnt sich auf das Besondere der Stadt und der sie umgebenden Region, betont Stärken und macht sich an die Entwicklung von Konzepten für die Überwindung von Schwächen. Der Ort mit all seinen Besonderheiten spielt so nicht nur bei der Vergabe einer Gar-tenschau eine wesentliche Rolle, sondern auch bei ihrer Gestaltwerdung.

 
     
 

Natürlich sind mit der Gartenschau vielfältige Zielsetzungen und Hoffnungen für die regionale Entwicklung verbunden, etwa die Entwicklung "dauerhafter kommunaler Grünstrukturen", das "Wachstum von Mittelstand, Gewerbe und Handwerk", die "Er-haltung von Natur und Landschaft" oder die "Entstehung eines Kulturzentrums für die stark ländlich geprägte Region". Letztendlich geht es jedoch vor allem darum, die Identität des Ortes und der Region neu zu entdecken und so herauszuarbeiten, dass die Landesgartenschau dem Einwohner ebenso wie dem Besucher eine Beziehung zu Ort und Region vermittelt und zugleich die bereits bestehenden Beziehungen in-tensiviert und positiv verstärkt. Vor allem für die dort ansässigen Menschen kann die Landesgartenschau als Mittel der Identitätsstiftung Gewicht erlangen, indem sie die lokale und regionale Identität der Gemeinschaft deutlicher hervorhebt und darüber hinaus die Identifikation des einzelnen mit dem Ort und der Region verstärkt.

 
     
 

Genau hier soll auch das Kunstkonzept für die Landesgartenschau Großenhain 2002 ansetzen. Analysiert man das landschaftsarchitektonische Konzept der Landesgar-tenschau und die im Rahmen des Bewerbungs- und Vergabeverfahrens definierten Zielsetzungen, erforscht man die kulturellen und ökologischen Charakteristika des Ortes, so entdeckt man verschiedene Anknüpfungs- und Kristallisationspunkte, die aufgrund ihres "identitätsstiftenden" Symbolgehalts besonders gut geeignet sind, als Katalysatoren die Entwicklung hin zu einem fruchtbaren Diskurs über die heutige und zukünftige Identität der Stadt Großenhain und der dort lebenden Bürger anzustoßen.

 
     
 

Das Kunstkonzept will diese Punkte ästhetisch, aber zugleich auch inhaltlich auf-greifen, kommunizieren und verstärken. Ein schlichtes "Bespielen" vorhandener Flä-chen mit kontextfremden oder kontextlosen Kunstwerken ist daher nicht vorgesehen. Vielmehr integriert das Kunstkonzept ausschließlich Künstler, die ihre Werke kon-textbezogen speziell für die Landesgartenschau erstellen. Besonders wichtig ist da-bei, dass diese Künstler sich in ihren Kunstobjekten nicht nur mit der spezifischen räumlichen, d. h. ästhetischen Qualitäten des Ortes auseinandersetzen; sie werden vielmehr aufgefordert, mit ihren Arbeiten auch die individuellen und gesellschaftli-chen, technischen und ökologischen Strukturen des jeweiligen Ortes zu erforschen und zu visualisieren und sich dabei auch mit dessen emotionalen und rationalen Grundlagen auseinandersetzen. Aus der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem konkreten Ort und seinen vielfältigen Beziehungen soll am Ende der Diskurs erwachsen, im Rahmen dessen auch der Betrachter (sei es Bürger oder Besucher) seine gegenwärtige Beziehung zum Lebensraum Großenhain erforscht, hinterfragt oder gar erst entdeckt.

 
     
 

Als Anknüpfungspunkte künstlerischer Auseinandersetzung mit Ort und Bevölkerung und als Ausgangspunkte für einen identitätsstiftenden Diskurs mit den Mitteln der Kunst erscheinen die folgende räumlichen und thematischen Komplexe der Landes-gartenschau besonders wichtig und geeignet:

 
     
  1. Die innerstädtische Röderaue und ihre Wasser
  2. Naturnahe und intensiv gestaltete Bereiche in der Röderaue
  3. Die Landesgartenschau als Volkspark
  4. Textilstadt Großenhain / Landwirtschaftliche Region
  5. Radwege: Fahrradtourismus
  6. Kulturzentrum Schloß
  7. Die Landesgartenschau im Stadtkontext
     
 

Die für Großenhain ausgewählten Künstler setzen genau an diesen Kristallisations-punkten an. Entsprechend der Vielfalt möglicher Bedeutungs- oder Sinnzusammen-hänge dieser Punkte nehmen auch die teilnehmenden Künstler jeweils sehr ver-schiedene Blickwinkel und Positionen ein. Entscheidend für die Auswahl der Künstler war es, dass die verschiedenen Ansätze gewährleisten, dass die Auseinanderset-zung mit der Identität des Ortes auf zwei verschiedenen Ebenen geführt wird:

 
     
 

Zum einen auf der Ebene der Reflektion über den Ort und seinen Kontext. Zum an-deren auf der Ebene der sinnlichen Wahrnehmung dieses Ortes und der ihn kenn-zeichnenden Natur- und Kulturelemente. Gerade die sinnliche Wahrnehmung ist über die inhaltliche Verknüpfung hinaus von herausragender Bedeutung für die Verwirkli-chung des Kunstkonzeptes, da nur so dessen wesentliches Ziel zu realisieren ist: die Fragen der Identität mir dem eigenen Lebensraum mit einem möglichst breiten Publi-kum zu diskutieren.

 
     
 

Selbstverständliches Auswahlkriterium war schließlich auch, dass die Künstler und ihre Arbeiten in Bezug auf Qualität und Aktualität den Anforderungen des internatio-nalen Kunstdiskurses gerecht werden.

 
     
 
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