"Ozzec" nannten
die Slawen die Siedlung, die sie auf dem Gebiet des
heutigen Großenhain angelegt hatten. Hergeleitet wird
die Bedeutung der vielen Namen Ozzec, Gvozdec, Hagen und
Hayn sowohl von einem Opferhain für slawische
Gottheiten. Belegt ist der Fakt der slawischen Siedlung
allerdings nicht. Die erste Urkunde der Stadt Hayn ist
definitiv aus dem Jahre 1205 nachweisbar. Ältere
Jahreszahlen als Stadtgründung sind umstritten,
beispielsweise das Jahr 954, auf dem die 1000-Jahr-Feier
vor einem knappen halben Jahrhundert fußte, oder 1088 im
Zusammenhang mit dem Böhmerherzog Wratislaw. |
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1205 jedenfalls wird die
"Hayensis mensura", das Haynisch Maß für
Getreide benannt. Das zeigt, dass ein Ort Namens Hayn
schon eine gewisse Bedeutung gehabt haben muss. Die Logik
legt nahe, dass Großenhain als doch schon länger als
seit 1205 existiert, aber es ist eben nichts schriftlich
nachgewiesen. Vermutlich entstand im Bereich der heutigen
Katharinengasse um 1100 ein Fischerdorf, während
Böhmenherzog Wratislaw schon um die Mitte des 11
Jahrhunderts im Bereich des heutigen Neumarktes wohl
einen Burgwart unterhielt. |
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Gustav Schuberth vermutet
in seiner 1892 erschienen Chronik, dass Großenhain aus
diesen beiden Siedlungen zur Stadt zusammenwuchs. Erst
mit einer neuen Burg an der Stelle der heutigen
Schlossruine, durch eine Umleitung der Röder besser vor
Angriffen geschützt, wurde der Flecken zum relativen
sicheren Rast und Zufluchtsplatz für Kaufleute, die
fortan die Fernhandelsstraße in Richtung Kamenz und
weiter nach Osten, die Hohe Straße, belebten. |
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Vermutlich erst nach 1125
wurde die Stadt vom Meißner Markgrafen Konrad
eingenommen, unterstand später aber wie auch das Kloster
"risowe" (Riesa) dem Bistum Naumburg und kam
erst im Zuge mehrerer Auseinandersetzungen gegen Ende des
13. Jahrhunderts unter Heinrich dem Erlauchten wieder an
die Wettiner, die in Meißen herrschten. |
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Einige unruhige Zeiten
folgten, in denen das Gebiet wechselweise dem deutschen
Kaiser, dem böhmischen König und den Markgrafen von
Brandenburg gehörte. Erst 1319 gewann Friedrich der
Freidige die Stadt fürs wettinische Haus zurück. Schon
um 1270 galt Hayn als einer der größten Marktorte im
Lande und besaß nach Erkenntnissen des Historikers
Karlheinz Blaschke bereits um 1300 deutlich über 1000
Einwohner, war für damalige Verhältnisse also eine
große Stadt. Seit etwa 1240 hatten sich fromme
Schwestern angesiedelt. Die Ruine des Magdalenenklosters
kündet noch heute von ihrer Anwesenheit. |
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1324 starb Friedrich I.
"der Freidige". Sein Sohn Friedrich II. und ab
1349 dessen Söhne Friedrich, Balthasar und Wilhelm
traten das Erbe an, 1382 spalteten die verbliebenen
Balthasar und Wilhelm in der Chemnitzer Teilung die
Ländereien gemeinsam mit Friedrich IV. "dem
Streitbaren" untereinander auf. Die Mark Meißen war
gegen Ende des 14. Jahrhunderts wieder ein isoliertes
Grenzland. Schon 1371 bekam Hayn durch die Überlassung
von Zollrechten erhebliche Mittel zu einer bedeutenden
Verstärkung der städtischen Befestigungen. |
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Die Stadt hatte nun eine
herausragende Position in der Mark Meißen inne und
schützte sich durch eine noch heute in Teilen erhaltene,
bis zu zehn Meter hohe Stadtmauer. Zu deren Bau sind
erstaunliche Berechnungen angestellt worden: So müssen
für den Burggraben 180.000 Kubikmeter Erdreich
ausgehoben worden sein. Insgesamt verarbeitete man 85.000
Kubikmeter Steine. Nur wenige Städte besaßen die
Mittel, sich solch ein imposantes Schutzbauwerk zu
leisten. gleich ging Hayn 1398 gemeinsam mit Meißen und
Dresden ein Bündnis mit dem lausitzischen
Sechsstädtebund ein, um Friedensstörer und Räuberei
gemeinsam zu bekämpfen. |
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Das Handwerk entwickelte
sich in diesen Zeiten stetig und auch die Bildung
zumindest der Kinder vermögender Bürger kam in Gang.
Das Bildungsprivileg blieb nicht mehr dem Adel und den
Kirchenleuten vorbehalten. Die unternehmerische
Tätigkeit machte Lesen, Schreiben und Rechnen
unabdingbar. Seit 1342 gab es in Hayn eine Stadtschule,
die Alte Lateinschule, in der heute das Heimatmuseum sein
Domizil hat. |
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Im Jahre 1410 kam die
Markgrafschaft Meißen an Friedrich den Streitbaren, der
1423 für die Unterstützung von Kaiser Siegmund von
diesem die Kurwürde erhielt, Als Kurfürsten von Sachsen
nebst Besitz des Herzogtums Sachsen-Wittenberg sowie der
thüringischen Landesteile redete das Haus Wettin nun
wieder maßgeblich mit in der deutschen Politik. |
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Die Hussiten wurden in
schweren Kämpfen mehrfach abgewiesen. Allerdings war
Hayn im Jahr 1429 mit Ausnahme des Schlosses komplett von
den böhmischen Kriegern eingenommen worden. Dabei wurden
unter anderem Klöster, Kirchen, Kapellen und das Rathaus
ganz oder teilweise verwüstet. |
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Die Fernhandelsstadt Hayn
erhielt 1443 das kurfürstische Privileg des
Stapelrechtes für alle Waren. Das bedeutete, dass die
reisenden Kaufleute ihre Produkte hier zwischenlagern und
zum Verkauf anbieten mussten. Bedeutsam war dies vor
allem für Waid, den hauptsächlich in Thüringen
gewonnenen Rohstoff der Textilfärbung. Sehr zum Ärger
von Görlitz, das wesentliche damit verbundene Einnahmen
an Hayn verlor. |
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1446 scheiterte die
Einigung zwischen Friedrich II. "dem
Sanftmütigen" und seinem Bruder Wilhelm III. über
erbenlose Gebiete in Thüringen, es kam zum Bruderkrieg.
Auch Hayn hatte unter den wechselseitigen Kampfhandlungen
zu leiden. 1460 kam es außerdem zu einer Vertreibung der
Juden aus der Stadt, die sich nicht taufen lassen
wollten. |
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Als im Jahr 1485 die
Söhne Friedrich II., Albrecht und Ernst, die für die
sächsische Geschichte verhängnisvolle Leipziger Teilung
vollzogen, fiel Hayn an die Albertinische Linie, die die
Mark Meißen regierte, vorerst aber die Kurwürde an den
anderen Teil des Herrscherhauses abgegeben hatte. Abseits
der großen Politik hatte die Bevölkerung mit den
Beschwerlichkeiten des Alltags zu kämpfen. So brannte
1482 ein großer Teil von Naundorf nieder und bereits
fünf Jahre später wurde der Ort erneut durch ein Feuer
vernichtet. |
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Hayn erlebte seine
größte wirtschaftliche Blüte. Über die "via
regia", die königliche, uns besser bekannt als Hohe
Straße, kamen Kaufmannszüge aus dem Rhein-Main-Gebiet
und Frankreich und zogen weiter nach Böhmen, nach
Schlesien und bis nach Kiew. Die haynischen Tuchmacher
versorgten vor allem aber den sächsischen Hof und das
Militär, mit Tuchen und Kleidern. |
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1526 fielen die Häuser
um den Markt mit Ausnahme des Rathauses einem Brand zum
Opfer. Ursache war unsachgemäßer Umgang mit Pulver.
Immer wieder gab es auch Missernten und Seuchen, unter
die die Bevölkerung zu leiden hatte. So wütete
1502/1503 noch einmal die Pest im Lande. Die Bedeutung
des Handelsplatzes Hayn sank wieder, als die Straßen
durch Brandenburg ebenso an Bedeutung gewannen wie die
Elbe, an der Hayn nun mal nicht liegt, dafür aber die
neue Residenzstadt Dresden. |
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1539 wurde in Hayn, wie
überall in Sachsen die Reformation eingeführt. Hatte
sich Georg der Bärtige noch radikal gegen Luthers
Gedanken gewandt, zogen sie unter Heinrich dem Frommen
auch in Hayner Kirchen ein. Die Nonnen des
Magdalenenklosters wurden gezwungen, ihren Aufenthalt zu
beenden. Sie taten dies, indem sie das Gebäude
anzündeten, die Flammen griffen schließlich auf die
gesamte Stadt über. Außer der Naundorfer Gasse blieb
nichts stehen. |
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Im Schmalkaldischen Krieg
stellte sich der protestantische Sachsenherzog Moritz auf
seiten des katholischen Kaisers Karl V. gegen Kurfürst
Johann Friedrich. Der konnte zwar Anfang April 1547 auch
Hayn nach mehrstündiger Beschießung ohne nennenswerten
Widerstand einnehmen. Am 24. April wurde die Sache in der
Schlacht bei Mühlberg aber zugunsten der Kaiserlichen
geklärt. Moritz bekam die Kurwürde fortan für die
Albertiner übertragen, Ziel erreicht. |
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Beinahe wäre Großenhain
Bergstadt geworden. 1608 fand man auf der Südseite des
"hohen Gebirges" kupferhaltige Steine.
Daraufhin wurde ein Kupferhammer errichtet, sogar eine
Münze angelegt. Nach etwa 15 Jahren schlief die neue
Branche wegen zu geringer Ergiebigkeit jedoch wieder ein,
der Name Kupferberg kündet aber noch heute von diesem
Versuch. |
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Der Prager Fenstersturz
1618 leitete eine der unheilvollsten Epochen der
mitteleuropäischen Geschichte ein. Dreißig Jahre lang
zogen Söldnerheere plündernd und mordend durch deutsche
Lande, hunderttausende Menschen fielen dem Krieg zum
Opfer. Handwerk und Gewerbe wurden um Jahrzehnte
zurückgeworfen. Auch Großenhain geriet ins Visier der
umherziehenden und von Zeit zu Zeit in diversen
Schlachten aufeinander treffenden Truppen. |
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1633 und 1636 hatte man
die Kaiserlichen in der Stadt über mehrere Wochen zu
verpflegen. Von Mitte Februar bis Ende März 1637
belagerte der schwedische Feldmarschall Baner die Mauern.
Er beschoss sie, doch in einem kühnen Ausfall machten
die Verteidiger an die 300 Gefangene und konnten damit
eigene Geiseln auslösen. Als die Lebensmittel
allmählich ausgingen und die Not groß wurde, zogen die
Schweden überraschend ab, weil sich an der Elbe
feindliche Truppen näherten. |
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1641 marodierten erneut
Schweden rund um die Stadt und im September des folgenden
Jahres stand General Torstensson vor den Toren. Trotz
aller kriegerischer Bemühungen bekam er ebenfalls keinen
"Einlass". Die Schweden sandten einen
Geschosshagel in die Stadt und versuchte sie zwei mal zu
erstürmen, wurden aber von den tapferen und mit großem
Mute fechtenden Hayner Bürgern zurückgeschlagen.
Schließlich wandte sich Torstensson gegen Leipzig, die
Gefahr war vorüber. |
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1646 stattete Landesherr
Kurfürst Johann Georg I. den Haynern einen Besuch ab und
wusste sie ausdrücklich für ihre Treue und Tapferkeit
zu loben. Die brauchte sie auch, denn zu den politischen
Beschwernissen kamen vielfach die Krankheiten. Allein die
Pest suchte zwischen 1575 und 1680 sechs mal die Bewohner
der Stadt und des Umlandes heim. Bei der Seuche 1626
starben im gesamten Kirchspiel mehr als 1200 Menschen. |
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Und als sich kurz nach
dem Dreißigjährigem Krieg die Stadt gerade wieder
aufrappelte, fielen einem weiteren großen Brande 50
Häuser zum Opfer. Noch gegen Ende des Jahrhunderts hatte
sich das Land nicht vom Kriege erholt, waren die Schäden
überall zu sehen. Dennoch gab es 1697 unter den
reichlich 3000 Einwohnern schon wieder 286 Tuchmacher und
Wollbereiter und 22 Tuchhändler. |
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Das 18. Jahrhundert
brachte Sachsen zwar die Blütezeit unter Kurfürst
Friedrich August I., genannt dem Starken, aber auch den
schlecht verlaufenden Nordischen Krieg und die Besetzung
des Landes in den Jahren 1706/07. Die Bevölkerung musste
Kontributionszahlungen an die Besetzer leisten und litt
selbst Hunger. Die über 45 Wochen in Hayn einquartierten
Dragoner ließen es sich auf Kosten der einfachen
Menschen gut gehen. |
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Positiv wirkte sich
dagegen das berühmte Lustlager von Zeithain 1730 aus,
denn Hayn war die nächstgelegene größere Stadt und
konnte gute Geschäfte dabei machen. 1734 wurden zwei
berittene Freischützen-Kompanien des Regiment,s
"Prinz Carl" in Hayn stationiert, das damit
seinen Status einer Garnisonsstadt begründete. 260 Jahre
lang gehörten nun fast ununterbrochen Soldaten zum Bild
der Stadt. |
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Unterdessen bekam man
auch einiges von der großen weiten Welt mit. Im Jahre
1712 erhielt der Obergeleitskommissar Lucius von einem
Freund die ersten Kartoffeln übersandt, die man je in
der Stadt aß. Als denkwürdiges Jahr ist 1744 zu
bezeichnen, ereilte die Stadt doch der größte
Unglücksfall ihrer Geschichte. Bei der größten bis
dahin erlebten Feuersbrunst wurden drei komplette Teile
der Stadt vernichtet. |
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Die Haupt- und die neue
Kirche, drei Diakonatshäuser, die Schule, das Rathaus
und drei der Stadttore sowie insgesamt 380 Gebäude
sanken in Schutt und Asche. Nur das Wildenhainer Viertel
blieb verschont. Entstanden war das Feuer am 8. Juli
abends in einem Eckhaus am Topfmarkt und griff dann sehr
rasch um sich. |
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Die Spritzen versagten,
letztlich konnte jeder nur noch das eigene Leben retten.
Nur 36 Häuser blieben innerhalb der Mauern stehen, fünf
Menschen starben. Jetzt zeigten sich die Bürger
Dresdens, Meißens, Leipzigs oder Ortrands hilfsbereit
und spendeten lebenswichtige Güter sowie erhebliche
Geldbeträge. |
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Immerhin bot der
Stadtbrand die Chance zum Neuanfang. Die Gassen wurden
begradigt und durch ein festes Baureglement allerlei
Vorsorge gegen künftige Feuer getroffen. Schon bald
folgte jedoch der Siebenjährige Krieg (1756-63), in dem
Hayn erhebliche Mengen an preußischer und
österreichischen Soldaten zu versorgen hatte und schwer
unter dieser Belastung litt. Auch im letzten Jahrzehnt
waren Truppen zu beherbergen, die gen Frankreich zogen,
um die Revolution niederzuschlagen, was bekanntlich
scheiterte. Wirtschaftlich markierte die 1763 eröffnete
kurfürstliche "Zitz- und Kattunmanufaktur" den
Übergang von der handwerklichen zur vorindustriellen
Zeit. |
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Den Kanonendonner der
Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 will man in Hayn
deutlich gehört haben. Danach lagerten häufig
französische Abteilungen in der Stadt. 1813 kamen Russen
und Preußen und ließen die Hayner spüren, dass der
franzosentreue Sachsenkönig auf der falschen Seite
stand. Die Besatzungen wechselten in schneller Folge. Am
10. Juli hielt sich Napoleon selbst in Hayn auf. Der
Wiener Kongress brachte die Strafe für die
Franzosentreue. Sachsen verlor zwei Drittel seines
Territoriums, Hayn wurde zur Grenzstadt. |
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Schon 1805 trat die Stadt
ins Medienzeitalter ein. "Das Wespennest" hieß
das Blättchen, aus dem später das "Großenhainer
Tageblatt" hervorging. Der wirtschaftliche
Aufschwung begann 1834 mit der Aufstellung der ersten
Dampfmaschine in der Naundorfer Kattunfabrik. Zur
gleichen Zeit bemühte sich Rentamtmann Karl Benjamin
Preusker um die Förderung des Gewerbes. 1828 hatte er
sich bereits Verdienste erworben, denn er begründete die
Stadtbibliothek, Deutschlands erste Volksbücherei. Durch
Preuskers Initiative wurde 1832 der Gewerbeverein ins
Leben gerufen, der der Fortbildung der Gewerbetreibenden
dienen sollte. Gleiches galt für die bereits zwei Jahre
zuvor eröffnete Sonntagsschule, Vorgängerin des
beruflichen Schulwesen. |
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Seit 1856 wird Hayn auch
offiziell als Großenhain bezeichnet. In die gleiche Zeit
fällt die Gestaltung der Promenade entlang der früheren
Stadtbefestigung, die in der ersten Hälfte des
Jahrhunderts samt der vier Stadttore zu großen Teilen
abgetragen worden war. Mit der Gründung der Freiwilligen
Feuerwehr 1856 tat sich Wichtiges zum Schutze der Stadt.
1858 zogen die Husaren nach mehreren Ortswechseln wieder
in der Stadt ein. Der Fortschritt drückte sich in der
Eröffnung der Gasanstalt 1857 und des städtischen
Wasserwerkes 1890 aus. Im Jahr darauf wurden die ersten
28 Fernsprechanschlüsse gelegt. Die Stadt beherbergte
bedeutende Fabriken der Tuch-, Kattun- und
Strickgarnproduktion. Unternehmer wie Caspari, Zschille
oder Eckhard brachten der Stadt nicht nur
wirtschaftlichen Aufschwung, sondern traten auch als
Mäzene und Förderer auf kulturellem und sozialem Gebiet
in Erscheinung. |
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Die überfällige
Anbindung Großenhains an das Eisenbahnnetz erfolgte mit
dem Bau der Strecke nach Priestewitz im Jahr 1862, die
den Anschluss an die Linie Dresden- Leipzig brachte. 1870
wurde die Verlängerung nach Cottbus eröffnet. Fünf
Jahre später besaß die Stadt auch Verbindung nach
Berlin und somit einen zweiten Bahnhof. Prachtvolle
Privat- und Behördenbauten entstanden, das 1872
abgebrannte Rathaus wurde neu erbaut und der durch
Friedrich August Pollmer umgestaltete Stadtpark bildete
das erste "Naherholungszentrum" der Stadt. |
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Der wachsende Wohlstand,
wenn auch nicht gleichmäßig allen
Bevölkerungsschichten zugute kommend, zeigte sich
äußerlich. 1903 eröffnete der sächsische Kronprinz
Friedrich August das Strandbad, gebaut nach modernsten
Gesichtspunkten der damaligen Zeit. Park-Sänger und
Schützenfeste brachten Abwechselung in die Stadt.
Wirtschaft und Bildung entwickelten sich. |
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1907 wurden sowohl die
Handels- und Landwirtschaftsschule als auch das
Heimatmuseum eröffnet. Und ab 1. Oktober 1909 brannte
elektrisches Licht in der Stadt, der Strom kam vom neuen
Elektrizitätswerk. 1913 pachtete das Sächsische
Kriegsministerium von der Stadt ein Gelände von 600.000
Quadratmetern zum Bau eines Flugplatzes. Mit der Landung
einer "Mars-Taube" im Februar 1914 begann die
fliegerische Tradition Großenhains. Die militärische
Erprobung ließ nicht auf sich warten. Das erste
Husarenregiment König Albert Nr. 18 und die Feldflieger
zogen an die Front des 1. Weltkrieges. Der Krieg endete
mit der militärischen Katastrophe und der
Novemberrevolution 1918. |
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Auch in Großenhain wurde
ein Arbeiter-und Soldatenrat gebildet, der erste in
Sachsen. Der Versailler Vertrag forderte die radikale
Reduzierung der deutschen Reichswehr. Zwar war ab 1920 in
Großenhain wieder eine Kavalleriegarnison stationiert,
aber die Entente setzte die Schließung des Flughafens
durch. Als Hitler die Macht ergriff, kam es auch in
Großenhain zur Verhaftung von Kommunisten,
Sozialdemokraten und anderen Regimegegnern. 1935 zog die
Wehrmacht wieder auf dem Flugplatz ein. |
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Im Juni des selben Jahres
wurde mit der Eröffnung des Strandbads mit dem
Gondelteich eine Anlage geschaffen, deren Erholungswert
weit über die Grenzen der Stadt hinaus Besucher anzog.
Aus dem 2. Weltkrieg kehrten 751 Großenhainer nicht
zurück. Am 24. April 1945 besetzte die Rote Armee die
Stadt. Großenhain nahm rund 4500 Umsiedler auf. Mit der
Abschaffung der Länder in der DDR wurde die alte
Amtshauptmannschaft Großenhain aufgelöst. Der neue
Kreis Großenhain blieb landwirtschaftlich strukturiert,
in der Stadt dominierten Teilbetriebe großer Kombinate,
wobei Textil- und Lederindustrie sowie der Maschinenbau
die Hauptrolle spielten. An der Peripherie entstanden
neue Wohngebiete wie das Preuskerviertel und das
Kupferberggebiet. |
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In den achtziger Jahren
wuchs auch in Großenhain die Unzufriedenheit. Am 12.
Oktober 1989, noch vor vielen größeren Städten,
erlebte Großenhain die erste von mehreren
Demonstrationen. Am 13. Dezember erfolgte die Auflösung
der Kreisdienststelle der Staatssicherheit. Runde Tische
der Jugendverbände, Friedensgebete in der Marienkirche
bestimmten die Szenerie der unruhigen Tage. Mit der
Volkskammerwahl am 18. März 1990 brach auch Großenhain
auf ins einheitliche Deutschland. Die deutsche
Vereinigung brachte auch für Großenhain eine
vollständige Umstellung. |
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Betriebe wie die
Gießerei, das Elektromotorenwerk und die Schuhfabrik
wurden nach erfolglosen Rettungsversuchen geschlossen.
Nur wenige wie die Stema bestanden den Kampf. Skassa,
Zschauitz, Rostig, Weßnitz und Folbern wurden in die
Stadt eingemeindet. 1994 bekam Großenhain den
Verwaltungssitz des neuen Landkreises Riesa-Großenhain. |
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Vieles veränderte sich.
Die Innenstadt erstrahlt in großen Teilen in neuem
Glanz. Mit den neuen Wohngebieten Kleinraschütz und
Nordwest trug die Stadt dem Wunsch der Menschen nach dem
eigenen Häuschen Rechnung. Der Stadtpark wurde
hervorragend umgestaltet. Im früheren Kasernengelände
entstand ein Verwaltungskomplex mit Einrichtungen des
Bunde, des Freistaates und des Landkreises sowie der
Außenstelle des Gymnasiums. Seit dem Abzug der
Sowjettruppen vom Flugplatz ist das Militär aus der
Stadt verschwunden. |
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In Zschieschen entstand
ein Gewerbegebiet, in dem jetzt das wirtschaftliche Herz
Großenhains schlägt. Der Mittelstand etablierte sich
und verschaffte der Stadt eine wirtschaftliche Vielfalt,
die ihresgleichen sucht. Von Unternehmenspleiten und
Arbeitslosigkeit blieb die Stadt aber nicht verschont.
Die Verkehrssituation ist teilweise unbefriedigend,
vieles wird eine Aufgabe über Jahrzehnt. |
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